Biographie: Pater Rudolf Lunkenbein (Salesianer Don Boscos)

* 1. April 1939 in Döringstadt (Oberfranken),ermordet am 15. Juli 1976 in Meruri (Brasilien)


1953, er ist gerade 14 Jahre alt, wird Rudolf Lunkenbein Schüler des Progymnasiums der Salesianer in Buxheim (Kreis Unterallgäu); 1958 geht er nach Sao Paolo (Brasilien) und beginnt im Haus der Salesianer das Noviziat; 1963 schickt ihn der Orden nach Meruri (Bundesstaat Mato Grosso) zu den Bororo Indianern. Zwei Jahre lang wurde er als Praktikant in seinem zukünftigen Missionsgebiet ausgebildet. 1965–1969 studiert Lunkenbein Theologie in der Heimat.

 

Am 29. Juni 1969 wird er in Benediktbeuern zum Priester geweiht, anschließend kehrt er zurück nach Brasilien, nach Meruri zu dem Stamm der Bororos, zu seinen Indianern.

 

Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte es sich der Orden der Salesianer zur Aufgabe gemacht, die Indianerstämme Brasiliens zu missionieren. Lunkenbein trat also in ein traditionsreiches Unternehmen ein. Mehr und mehr war es Aufgabe der Missionare geworden, für das Heimat- und Lebensrecht der Indianer einzutreten. Diese wurden ja überall von brasilianischen Siedlern aus ihrem Lebensraum, dem tropischen Regenwald, verdrängt. Die Politik der staatlichen Indianerschutzbehörde FUNAI bestand darin, die Indianer in die brasilianische Gesellschaft einzugliedern. Dazu aber zeigten die Brasilianer wenig Bereitschaft, und die Indianer konnten einen derartigen Wechsel der Lebensverhältnisse nicht vollziehen.

Lunkenbein setzte sich für das Heimat- und Lebensrecht seines Stammes ein. Seine Aufgabe formulierte er so: Zunächst einmal gilt es, diesen Menschen auf den Weg zurück ins Leben zu helfen, sie zur Selbstbesinnung zu bringen, ihnen klarzumachen, was in ihnen steckt, welche Kräfte sie einfach brach liegen, ... welch großartige Traditionen sie einfach verkommen lassen. Ich habe mich für sie eingesetzt, ihre Rechte für sie verteidigt. Als Mitglied der staatlichen Indianerschutzbehörde bestand er darauf, daß das dem Bororo-Stamm rechtlich zustehende Territorium diesem auch gewährt werde, daß das Gebiet vermessen werde und daß die widerrechtlich eingedrungenen und wild rodenden weißen Siedler ausgewiesen würden. Am Morgen des 15. Juli 1976 sollte die Landvermessung beginnen. Mit den Vermessern erschienen jedoch auch 62 bewaffnete Siedler.

Lunkenbein wollte zwischen den Beamten und den Siedlern vermitteln, schon waren die Meinungsverschiedenheiten geschlichtet, doch in einem neu entstehenden Wortwechsel schoß einer der Siedler Lunkenbein und seinen indianischen Begleiter nieder.

 

So verlor ein Mensch sein Leben, dessen Ideal es von Jugend auf war, sich für andere einzusetzen, der dies mit ungewöhnlichem Geschick und unermüdlicher Freundlichkeit tat, dessen Unternehmungsgeist und wagemutiger Drang in die Ferne ihr Ziel im Menschen und in der Menschenfreundlichkeit Gottes fand.

Die Indianer trauerten um ihren Helfer viele Tage und bestatteten ihn feierlich wie einen ihrer Häuptlinge.